KI in der Rechtspraxis 2026: ChatGPT und Copilot sind der neue Standard.
Innerhalb von zwei Jahren ist Künstliche Intelligenz zum festen Bestandteil der tschechischen Anwaltspraxis geworden. Die Adoptionsrate ist beispiellos schnell, bislang jedoch relativ oberflächlich. Eine Umfrage unter 170 Anwälten zeigt, welche Tools Anwälte tatsächlich nutzen und wie sich ihre Erwartungen verändern.
7 von 10 Anwälten nutzen KI mehrmals pro Woche
Sprachmodell-basierte KI wird in Tschechien bereits von der Mehrheit der Anwälte genutzt. Sieben von zehn geben an, mindestens mehrmals pro Woche mit KI zu arbeiten. Ein Drittel täglich.
Von null auf 70 % in drei Jahren — das Tempo der Adoption einer neuen Technologie im Anwaltsberuf ist nahezu beispiellos. Ein so hohes Einführungstempo gab es zuletzt beim Wechsel von Papierausgaben der Gesetzessammlungen zu elektronischen Datenbanken oder von Post/Fax zu E-Mail. Auch dort lagen aber fünf bis zehn Jahre dazwischen, nicht drei.
Das Veränderungstempo führt dazu, dass sich einige Teile des Rechtsökosystems erst anpassen. Drängende Themen kommen auf den Tisch — etwa wie man Arbeit abrechnet, die kein Mensch ausgeführt hat. Und woran man erkennt, wann ein Ergebnis wirklich gut ist und wann es nur formal korrekt aussieht. Bei einem Teil der Mandanten kann KI-Hilfe weiterhin als unerwünschte Abkürzung wahrgenommen werden, ohne die neue Möglichkeit zu einer viel gründlicheren Fallprüfung zu erkennen. In den Augen anderer wird der KI-Einsatz gerade zum Bestandteil der fachlichen Sorgfaltspflicht.

Was automatisieren? Das größte Potenzial sehen Juristen in der Recherche. Die Hauptbarriere ist Präzision.
Heute nutzt die Hälfte der Befragten KI für Brainstorming und Dokument-Zusammenfassungen. 4 von 10 recherchieren mit KI Gesetze und Rechtsprechung oder nehmen grammatikalische und stilistische Korrekturen von Texten vor.
Da die Fachöffentlichkeit rasch Erfahrungen sammelt, verändert sich auch der Blick darauf, wo KI im nächsten Jahr Anwendung finden wird. Das größte Vertrauen liegt in der Recherche der Rechtsprechung — hier planen bis zu drei Viertel der Befragten KI einzusetzen. Deutlich gestiegen ist das Interesse an KI-Unterstützung beim Vertragsentwurf. Der Anstieg ist jedoch in jedem untersuchten Bereich sichtbar.
Nur zwölf Prozent der Befragten gaben an, KI in den kommenden zwölf Monaten nicht nutzen zu wollen. Obwohl fast alle eine Nutzung planen, wird der tatsächliche Einsatzgrad davon abhängen, ob die Werkzeuge ausreichende Präzision, Quellenzitate und rechtliche Sicherheit bieten. Plan und Realität können sich also erheblich unterscheiden.
Was würde Anwälte am stärksten motivieren, KI häufiger zu nutzen? An erster Stelle steht die Qualität juristischer Ergebnisse (73 %), an zweiter die Garantie von Sicherheit und Verschwiegenheit (54 %) und an dritter die Integration in bereits genutzte Werkzeuge und Prozesse (35 %).

Anwälte nutzen vor allem juristische Tools ohne KI oder KI-Tools ohne juristische Spezialisierung
In der Schnittmenge beider liegen bislang nur 35 % der Anwälte.
Wir haben juristische Tools unterteilt in rechtsspezifische Systeme mit verifizierten Quellen und in allgemeine Modelle ohne vollständigen rechtlichen Kontext. Die meisten genutzten Systeme entstanden noch vor dem Durchbruch der generativen KI. Sie basieren auf der Suche in Originaltexten per Titel/Aktenzeichen oder per Schlagwort. Solche Systeme nutzen 82 % der Anwälte.
Ein Teil dieser Systeme ergänzt inzwischen KI-Funktionen, vor allem in Form einer intelligenteren Suche — insgesamt 28 % der Anwälte nutzen diese. Nur 7 % setzen rechtsspezifische Systeme ein, die auf KI-Sprachmodellen aufbauen.
Insgesamt nutzen also 35 % aller Anwälte KI in irgendeiner Form innerhalb rechtsspezifischer Systeme.
Die Nutzung allgemeiner, nicht spezialisierter Modelle ist dagegen weitaus stärker. Nur ein einstelliger Prozentsatz der Befragten hat kein solches Werkzeug für einen Arbeitsauftrag genutzt.
Unter den allgemeinen KI-Modellen gewinnt ChatGPT mit deutlichem Abstand. Wir haben außerdem geprüft, ob es sich um die kostenpflichtige Version oder die kostenlose Variante handelt. Die Verteilung ist ungefähr gleich. Die kostenlose Variante trägt deutlich zur Popularität allgemeiner Tools bei.

Schnelle Entwicklung und Druck erzeugen Risiken
Der Unterschied zwischen der schnellen Adoption allgemeiner KI für bestimmte Aufgaben und der geringen Nutzung rechtsspezialisierter KI gehört zu den markantesten Befunden der Umfrage. Die Erwartungen der Befragten sind Recherchen in komplexen Dokumentsystemen mit hoher Präzision und Rechtssicherheit — unter Wahrung sensibler Daten. Die Realität ist bislang überwiegend die Erfahrung mit allgemeinen Werkzeugen wie ChatGPT oder Gemini, die diese Anforderungen nicht vollständig erfüllen können.
Allgemeine, rechtlich nicht spezifische Modelle beziehen ihr Wissen aus dem offenen Internet, wo präzise Informationen neben veralteten Texten und Laienmeinungen stehen. Einige wichtige Rechtsquellen stehen womöglich gar nicht zur Verfügung. Die Schlussfolgerungen können dann falsch sein oder Zitate von Gesetzen und Urteilen enthalten, die es in Wirklichkeit gar nicht gibt. Diese Fehler sind zudem schwer zu entdecken, weil das Ergebnis auf den ersten Blick formal korrekt wirkt. Das erzeugt ein enormes Risiko für Anwalt und Mandant.
Der gesamte Markt steht inmitten eines schnellen technologischen Wandels. Produkte, die vor dem Sprachmodell-Durchbruch juristische Informationen bereitstellten, haben ihre Grundarchitektur noch nicht geändert. Neue Produkte haben am Markt noch keine Glaubwürdigkeit aufgebaut. Und die Nutzer ermitteln, wo KI echten Mehrwert liefert und wie sie in die juristische Arbeit einzubinden ist — als Stütze, nicht als bloß weiteres Tool in der Liste.
Wie kann man einfach und sicher mit KI-Technologien weitermachen?
Probieren Sie ein für Recht geeignetes KI-Werkzeug aus — oder ergänzen Sie allgemeine Modelle um juristischen Kontext.
Bei der Auswahl eines spezialisierten KI-Werkzeugs sind folgende 5 Kriterien sinnvoll:
- Qualität und Vollständigkeit der Quellen: Arbeit mit aktueller Rechtsprechung und Gesetzgebung in vollem Umfang. Nicht nur die Rechtsprechung des Obersten Gerichts, sondern Urteile aller Instanzen.
- Präzision und Nachprüfbarkeit der Ergebnisse: Für juristische Recherche ist wichtig, dass das Werkzeug exakte Zitate liefert und die Primärquelle leicht einzusehen ist.
- Integration in Arbeitsabläufe: einfache Nutzung im alltäglichen Workflow — ob über Weboberfläche oder Anbindung an bestehende Tools und Systeme.
- Sicherheit und Umgang mit Daten: klare Regeln im Umgang mit Anfragen, Dokumenten und sensiblen Informationen, einschließlich ihrer Weiterverwendung oder Speicherung.
- Preismodell und Flexibilität: KI-Technologien ändern sich rasch; mehrjährige Bindungen können ein großes Hemmnis sein.
Allgemeine Modelle (ChatGPT, Gemini, Claude), angereichert um juristischen Kontext
Auch allgemeine Werkzeuge lassen sich durchaus für anspruchsvollere juristische Arbeit nutzen. Man muss ihnen nur vollständigen, verifizierten Kontext liefern. Entweder konkrete Gesetzes- oder Urteilstexte über das Interface hochladen oder das Modell mit einer Kontextquelle verbinden. ChatGPT hat die Möglichkeit, sich an einen spezifischen — etwa juristischen — Kontext anzubinden, Mitte 2025 eingeführt. Ähnlich Anthropic bzw. Claude. Das Verfahren heißt MCP (Model Context Protocol). Den Anschluss bekommt in der Regel jeder Nutzer hin, sofern es einen Dienst gibt, an den man sich verbinden kann. Den Anschluss von verifizierten Gesetzen und Rechtsprechung im Kontext des tschechischen Rechts bietet DirectCase.
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