
Richter haben DirectCase getestet: 75 % der Nutzer fanden relevante Rechtsprechung innerhalb von zwei Anfragen.
Das Zentrum für Digitalisierung und künstliche Intelligenz in der Justiz (CendAI) prüfte, wie Technologie die Effizienz juristischer Recherchen unterstützen kann. Ergebnis: 50 Minuten Zeitersparnis pro Recherche.
„Die Erfahrung mit DirectCase hat gezeigt, wie Technologie zur effizienteren Suche nach Rechtsprechung beitragen kann. Das Projekt CendAI in Zusammenarbeit mit Richtern und Assistenten des Obergerichts Prag ermöglichte uns, den Nutzen im realen Gerichtsumfeld zu verifizieren."
— Roman Horáček, Ph.D., Gründer von CendAI und stellvertretender Vorsitzender für Zivilsachen am Obergericht Prag, November 2025
Richter und Assistenten des Obergerichts Prag nahmen an einem Pilotversuch des Tools DirectCase teil, das künstliche Intelligenz für eine schnellere und präzisere Suche nach Rechtsprechung nutzt. Ziel des Projekts CendAI war es zu überprüfen, ob KI tatsächlich in einem Umfeld helfen kann, in dem Präzision und Vertrauenswürdigkeit entscheidend sind.
CendAI bringt technologiebasierte Innovationen in die tschechische Justiz
Das Zentrum für Digitalisierung und künstliche Intelligenz in der Justiz (CendAI) wurde mit der Mission gegründet, den durchdachten Einsatz moderner Technologien in der Gerichtspraxis zu unterstützen. Sein Ziel ist es, dass Digitalisierung kein Selbstzweck ist, sondern Gerichtsverfahren effektiv macht, die Aus- und Weiterbildung der Richter fördert und gleichzeitig ethische und rechtliche Aspekte des KI-Einsatzes berücksichtigt.
Unter der Schirmherrschaft von CendAI fand am Obergericht Prag ein Pilotprojekt des Tools DirectCase statt. Ziel war es zu überprüfen, wie aktuelle KI-Methoden juristische Recherchen beschleunigen und die Präzision beim Auffinden relevanter Informationen erhöhen können, ohne dass die Qualität der fachlichen Beurteilung leidet.
Obergericht Prag: Besteht DirectCase auch vor einem hochqualifizierten Publikum?
Das Gerichtsumfeld ist seinem Wesen nach konservativ, und das zu Recht. Stabilität und Präzision sind für die Justiz zentrale Werte. Frühere Erfahrungen mit der Präzision ähnlicher Tools führten zu einer gewissen Vorsicht beim Start der Tests. Von den angesprochenen Richtern und Assistenten nahmen zwölf Teilnehmer am Test von DirectCase teil.
Jeder Teilnehmer nutzte DirectCase zwei Monate lang bei echten Recherchen zur Rechtsprechung und bewertete den Nutzen hinsichtlich Relevanz der gefundenen Urteile, Vertrauenswürdigkeit der Zitate, Zeitersparnis und Nutzerkomfort.
75 % der Nutzer bewerteten die gefundenen Urteile als relevant
Laut Auswertung des Pilotprojekts beschrieben die Teilnehmer Verbesserungen in Geschwindigkeit und Präzision der Recherchen. Trotz anfänglicher Skepsis gegenüber der Antwortpräzision zeigte das Pilotprojekt, dass die Technologie relevante Urteile finden kann – bereits bei der ersten Anfrage (33 %) oder nach anschließender Interaktion mit dem Tool (42 %).
„Arbeitet primär mit einer geschlossenen Datenbank gerichtlicher Entscheidungen. Der Einfluss falscher Zitate aus offenen Quellen ist begrenzt."
— Beteiligter Teilnehmer bewertete die Funktionalität von DirectCase in der Auswertung des Pilotbetriebs
Ein wichtiges Element des Systems ist die Analyse über die vollständige Datenbank veröffentlichter Urteile aller Gerichte in Tschechien. Das ist ein wesentlicher Unterschied zu gängigen generativen KI-Tools wie ChatGPT oder Copilot.
Ein Schlüsselelement, das die Nutzbarkeit eines solchen Systems in der juristischen Praxis bestimmt, ist die Nachweisbarkeit jeder Information. Jedes Ergebnis enthält ein direktes Zitat und einen Link zum Originaltext der Entscheidung, der leicht erreichbar ist. Genau diese Transparenz gewährleistet, dass die endgültige Entscheidung stets in den Händen des Menschen bleibt – mit voller Kontrolle über Quelle und Interpretation.
50 Minuten Zeitersparnis pro Recherche
Im Durchschnitt sparte DirectCase bis zu 50 Minuten bei der Bearbeitung nicht-trivialer Recherchen. Abhängig von der Fallvariabilität und der Anzahl der Recherchen kann das in der Praxis bis zu einem gesparten Arbeitstag pro Monat entsprechen. Das ist der Hauptnutzen des Systems: routinemäßige, mechanische Sucharbeit zu beseitigen und es den Nutzern zu ermöglichen, relevante Urteile im Originalwortlaut schnell zu erhalten. Der Richter kann sich dann stärker auf die Qualität des Endergebnisses konzentrieren.

Worin liegt die Zeitersparnis begründet? DirectCase sucht nicht nur nach Schlagwörtern, sondern findet Informationen nach dem gesamten eingegebenen Kontext. Das Prinzip veranschaulicht zum Beispiel die Frage: „Wie wird die örtliche Zuständigkeit des Gerichts bestimmt, wenn im Vertrag als Erfüllungsort das Bankkonto des Gläubigers festgelegt ist, das jedoch nicht existiert?" Die traditionelle Recherche ist in solchen Fällen sehr aufwändig. Schlagwörter sind zu allgemein, und für Paragraphenkommentare ist die Frage zu spezifisch. DirectCase hingegen findet dank des Kontextverständnisses die passende Rechtsprechung binnen einer Minute.
„Einige Teilnehmer würden das System auch nach Ende des Pilots gerne weiter nutzen, sie sehen darin einen praktischen Mehrwert für die tägliche Arbeit."
— JUDr. Kateřina Procházková, Assistentin des Senatsvorsitzenden, war im Projekt an Organisation und Koordination des Tool-Tests beteiligt.
DirectCase entwickelt sich ständig auf Basis von Nutzer-Feedback
Eine der häufigsten Rückmeldungen von Richtern und Assistenten des Obergerichts Prag war der Wunsch nach einem fortlaufenden Chat-Thread. Nutzer möchten so Raum für eine tiefere, kontextuell anknüpfende Arbeit mit der Anfrage haben. Diese Funktionalität hat das DirectCase-Team in die Entwicklungs-Roadmap für das vierte Quartal 2025 aufgenommen.
Der Pilottest bestätigte, dass KI-Technologie die Effizienz juristischer Recherchen unterstützen kann, sofern Transparenz und Nachprüfbarkeit der Quellen gewährleistet sind. Das Projekt zeigte zugleich, dass Innovation in der Justiz funktionieren kann, wenn sie deren Werte respektiert: Präzision, Stabilität und Verantwortung.
Die Case Study entstand im Rahmen einer Pilotstudie zu den Möglichkeiten des KI-Einsatzes bei der Arbeit mit juristischen Informationen. Die hier präsentierten Erkenntnisse und Erfahrungen stammen aus einem konkreten Pilotprojekt und sind nicht als offizielle Stellungnahme des Obergerichts Prag zu verstehen.
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